Lebe social!

Geschrieben von | September 18, 2013 | Jobtipps

Jochen MaiJochen Mai ist Social Media Manager sowie Gründer und Herausgeber von Karrierebibel.de. Der Diplom-Volkswirt wechselte nach seinem Studium in Köln zur WirtschaftsWoche, wo er von 2000 bis 2011 das Ressort „Management + Erfolg“ leitete. Dann folgte der Job-Wechsel in die Wirtschaft: Bei Yello-Strom baute er erfolgreich das Social Media Team auf und schaffte es mit dem Corporate Blog in die Top-10-Best-Cases für Firmenblogs. Wie er das geschafft hat und was er jungen Nachwuchskräften rät, die im Social Media Marketing Fuß fassen wollen, haben wir ihn gefragt.

Vom Journalisten zum Social Media Manager. Was war der Grund deines Seitenwechsels und warum gerade Social Media?
Nach 20 Jahren als Journalist war die Zeit reif für eine neue Herausforderung. Im letzten Jahr als Ressortleiter bei der Wirtschaftswoche war ich zusätzlich Social Media Manager – allerdings mehr oder weniger allein mit dem Thema. Es gab weder ein Team, noch groß Budget dafür. Das war keine Strategie, sondern ein Feigenblatt. Das hat mich darin bestärkt, ein Unternehmen zu suchen, das Social Media als Chance versteht, nicht als Notwendigkeit. Außerdem hatte ich in meinem Blog karrierebibel.de viel über Social Media geschrieben – jetzt wollte ich meine Thesen auch belegen.

Also “Ab in die Wirtschaft”. Haben Verlage mittlerweile den Social-Tiefschlaf beendet?
Teils, teils. Die Mehrheit spart immer noch an Budget und Personal, weil das Potenzial von Social Media nicht erkannt wird. Oft heißt es schlicht: “Redakteur A twittert jetzt auch und kümmert sich ein bisschen mit um Facebook”. Kein Verlag würde ein neues Blatt ohne Konzept, Strategie und Fachkräfte auf den Markt bringen – bei Social Media aber ist das die Regel. Die Unternehmen anderer Branchen sind da längst weiter – ganze Teams kümmern sich dort um die sozialen Netzwerke, Wissen wird aufgebaut, etwa durch interne und externe Schulungen…

… weil sie verstanden haben, dass Social Media viele neue Möglichkeiten mit sich bringt, die kein anderer Marketing-Kanal bietet. Viele Mitarbeiter führen aber Grabenkämpfe und müssen verargumentieren, warum Social Media im Marketing-Mix eine Daseinsberechtigung hat und die Wichtigkeit zunimmt. Wie wäre dein Plädoyer?
Wer Marken mit Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und positiven Emotionen aufladen sowie Kunden binden möchte, kommt an Social Media nicht vorbei. Dabei dreht es sich schließlich nicht nur um Marketing, sondern ebenso um Kundenservice und -bindung, Kommunikationsarbeit, Marktforschung, Employer Branding, eCommerce, Suchmaschinenoptimierung, Traffic-Generierung und vieles andere mehr. Und Social Media ist so nah am Kunden, wie kein anderer Kanal.

Klingt nach einem umfangreichen Jobprofil.
Ist es auch. Social Media Manager ist ein komplett eigenständiges Berufsbild geworden. Weg vom nerdigen Marketing-Manager, der sich auch ein bisschen mit Facebook auskennt, hin zum kommunikativen, netzwerkenden Strategen, die zugleich in viele verschiedene Fachbereiche eintauchen, analytisch denken, gut schreiben und fundierte Marketingkenntnisse mit Technik und Zahlenaffinität kombinieren muss.

Wie ist diese Entwicklung bei Yello gelaufen?
Gestartet sind wir mit einem interdisziplinären Team mit jeweils einem Mitarbeiter aus allen Schnittstellen-Abteilungen, wie etwa Marketing, Personal, Bestandskundenmanagement, Presse oder Produktentwicklung. Alle haben einen Teil ihrer Arbeitszeit darauf verwendet, Social Media mit aufzubauen und unsere Erfahrungen oder strategischen Ziele wieder zurück ins Unternehmen und in ihre Abteilungen zu tragen. Das war enorm wichtig, um das Thema präsent zu machen und von Anfang an ordentlich Gas zu geben. Nach etwa einem halben Jahr haben wir die Transformation hin zu einem Vollzeit-Social-Media-Team mit vier Mitarbeitern gestartet und eine eigene Redaktion dafür aufgebaut: Mitarbeiter gesucht, geschult, Wissen aufgebaut und die Kanäle weiterentwickelt – nach dem Prinzip “Patenschaft”. Sprich: Jeder Mitarbeiter verantwortet einen Social-Kanal und übersetzt die Inhalte entsprechend der Community und deren Vorlieben und Sprache.

Was rätst du dem Social-Media-Nachwuchs?
Lebe social! Die Basics kann man lernen, zum Beispiel in einer Weiterbildung . Aber dabei ist es wie mit dem Führerschein: Wer ihn hat, darf Autos fahren, er kann es aber noch nicht. Das kommt erst mit dem regelmäßigen Cruisen. Mit Social Media ist es genauso. Das ist kein Job von 9 bis 17 Uhr, sondern ein Beruf im Wortsinn. Neugier und Spaß an den Möglichkeiten neuer Technologien; der Wille, immer wieder etwas Neues auszuprobieren, ist Pflicht. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, eröffnen sich beste Job-Chancen.

Danke für das Gespräch.

Mehr Interviews mit Social Media Experten gibt es in unserem Buch “Berufsziel Social Media“, u.a. Gespräche mit Katharina Borchert (Geschäftsführerin Spiegel Online), Tobias Arns (Social-Media-Experte des Internet-Branchenverbands BITKOM), Eva Maria Goldmann (Community Managerin, Monster.com), Mirko Kaminski (Gründer und Chef der Kommunikationsagentur achtung!), Mirko Lange (Geschäftsführer der Agentur talkabout und Social Media Experte) und vielen mehr.

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Phillip Hertwich
Phillip Hertwich
7 Jahre zuvor

“… und schaffte es mit dem Corporate Blog unter die Top 10 ganz Deutschlands.” – Platz 10 von wieviel, und nach welchen Kriterien?

Phillip Hertwich
Phillip Hertwich
7 Jahre zuvor

Die Quelle listet zwar 10 Blogs auf, allerdings sind nur die Hälfte davon deutsche Firmenblogs. Insofern finde ich die Aussage “… auf und schaffte es mit dem Corporate Blog unter die Top 10 der bekanntesten Firmenblogs ganz Deutschlands.” auch mit der Verlinkung sehr irritierend.
Diese Behauptung entbehrt somit jeglicher Grundlage.
Ansonsten ist gegen das Berufsziel nichts einzuwenden, denn in Social Media liegt auch die Zukunft des Marketings oder der guten alten PR – Selfmarketing und Eigen-PR eingeschlossen 😉

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