Studie: So social sind deutsche Unternehmen

Geschrieben von | Juli 16, 2017 | Infografiken

Wie Unternehmen ihre Social-Teams aufstellen, welche Unternehmensziele sie damit verbinden, mit welchen sozialen Netzwerken sie diese erreichen, wie sie sie messen, was die größte Social-Herausforderung ist und wie sich das alles im Vergleich zu vor drei Jahren entwickelt hat? Das und noch viel mehr haben uns 105 Social Media Manager zwischen dem 03.04.2017 – 26.06.2017 in einer nicht-repräsentativen Umfrage verraten. Teilgenommen haben die unterschiedlichsten Unternehmen: Von Großkonzernen wie der Deutschen Bahn, Siemens oder Bertelsmann über Automobil-Hersteller wie BMW, Audi oder Daimler bis hin zu Stadtwerken, Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen oder Mittelständlern.

So sehen Social-Teams aus

Knapp drei Viertel der Social-Media-Teams in deutschen Unternehmen bestehen aus höchstens fünf Mitarbeitern (73%), wobei sogar fast jedes siebte davon als One-Woman/Man-Show organisiert ist. 2014 waren es nur zwei Drittel der Unternehmen, die maximal 5 Social-Media-Mitarbeiter zählten, davon allerdings 80% Ein-Frau/Mann-Teams. Das könnte an dem Trend liegen, zusätzlich zu einem Festangestellten noch Werkstudenten als Unterstützung zu beschäftigen (2017: 4%). Zwischen 5 und 10 Mitarbeiter zählen 12 Prozent der Befragten in ihrem Team. 14% beschäftigen mehr als 10 Social-Media-Manager. Vor drei Jahren hatte noch jedes vierte Unternehmen hat mehr als zehn Social-Media-Mitarbeiter. 35% der befragten Social Media Manager können eine abgeschlossene Social Media Aus- oder Weiterbildung vorweisen. 38% der Social Media Manager geben an, dass ihr Unternehmen Social-Media-Weiterbildung anbietet – im Gegensatz zu 2014, da waren es noch 53%. Besteht das Social-Team aus mehr als einem Mitarbeiter, betreuen 58% jeweils schwerpunktmäßig einen Social-Kanal oder teilen sich ihre Arbeit nach Kampagnenart auf (2014: 40%). 72% arbeiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf allen sozialen Kanälen (CRM, Marktforschung, Marketing) oder betreuen unterschiedliche Länder/Regionen/Sprachen.

Die Social-Missionen

Etwas mehr als zwei von drei Social Media Managern treibt die Unternehmenskommunikation, fast jeder fünfte sieht sich als Enabler, der Mitarbeitern anderer Bereiche Kompetenz in Social-Themen vermittelt – denn Social Media wird als Disziplin angesehen, die in Zukunft möglichst viele Mitarbeiter beherrschen sollten. 7% gaben an, dass Social Media so etwas wie eine Stabsabteilung darstellt (mit Projektmitarbeitern aus unterschiedlichsten Abteilungen, 2014: 12%). Nur 1% der Befragten sind im Kundenbeziehungsmanagement angesiedelt (2014: 6%). Bei 5 Befragten ist Social Media Marketing im Bereich des Online-/Performance-Marketings bzw. weiter gefasst, im Digital-Marketing angesiedelt, versteht sich aber als Schnittstelle in unterschiedlichste Bereiche.
Das organisationale Verständnis von Social Media spiegelt sich auch in den Social-Zielen der Befragten wider: PR und Marketing sind für nahezu 7 von 10 Social Media Managern am wichtigsten (2014: 8 von 10), gefolgt von Employer Branding (9%, 2014: 8%), CRM (7%, 2014: 9%) und Abverkauf (6%, 2014: 7%). Fünf Befragten (2014: 8) fiel es nicht leicht, sich für ein wichtigstes Ziel zu entscheiden – für sie ist es eine Mischung aus PR, Marketing, CRM und etwas Employer Branding.

Die wichtigsten Plattformen im Netz

Was sind die wichtigsten Plattformen für Social Media Manager? Keine Überraschung unter den ersten Plätzen: Wichtigstes Netzwerk ist Facebook mit 82% (2014: 75%), gefolgt von Twitter mit 8% (2014: 15%). Instagram ist auf Platz drei mit 5% (Vorjahr: 1%). Xing ist auf Platz vier mit 3% (Vorjahr auf Platz drei mit 6%) noch vor LinkedIn mit 2% (Vorjahr: 1%). Die größte Überraschung für uns: Weder Youtube noch das Corporate Blog wurde als Antwort auf die Frage genannt, welches das wichtigste soziale Netzwerk ist – und das, obwohl von 85% der befragten Social Media Manager Youtube nutzen und 7% (2014: 8) mindestens ein Blog betreiben.
Die top-genutzten Social-Kanäle überraschen kaum: Facebook mit 97% (2014: 96%), Youtube mit 85% (2014: 86%), Twitter mit 84% (2014: 89%), Instagram mit 76% (2014: 37%), XING mit 69% (2014: 74%), LinkedIn mit 49% (2014: 46%), Google+ mit 35% (2014: 37%), Pinterest mit 28% (2014: 45%), WhatsApp mit 26% (2014: keine Nennung), Snapchat mit 20% (2014: 1%), tumblr mit 8% (2014: 19%), Flickr mit 4% (2014: 19%), Foursquare mit 7% (2014: 25%) und Blogs mit 7% (2014: 8%).

Das Social-Media-Toolkit

Die Erkenntnis, dass eine professionelle Betreuung der Kanäle ein Mindestmaß an Investition in professionelle Tools erfordert, herrscht bei den von uns befragten Unternehmen zu 85% (2014: 82,2%). Dieser Anteil der Social-Media-Manager hat Zugriff auf mindestens ein Social-Media-Management und/oder -Monitoring Tool. Die Top-5 eingesetzten Angebote sind hier Hootsuite mit 30% (2014: 45%), kanaleigene Analytic-Tools mit 17% (2014: 7%), Tweetdeck mit 15% (2014: 16%), Facelift mit 12% (2014: Social Bench: 12%), Falcon mit 7% (2014: keine Nennung).

Die größten Social-Herausforderungen

Das Berufsbild des Social Media Managers ist etabliert, die Ausbildung professionalisiert – andere läuten schon die Sterbeglocken für die Social-Profession als Single-Disziplin ein: Die sozialen Netzwerke seien schließlich Werkzeug für jeden einzelnen Mitarbeiter, nicht nur für einige wenige. Das war 2014 so und trifft heute noch genauso zu. Allerdings ist es komplexer geworden, denn der Social-Markt ist so diversifiziert wie wenige andere – die Plattformangebote wachsen stetig, genauso wie die Möglichkeiten, die potenzielle Zielgruppe zu erreichen, die Frage nach der Monetarisierung bleibt.
Weitere Herausforderungen, die ein Großteil der 105 befragten Social-Media-Manager sehen: Den Trend von der One-to-Many-Kommunikation hin zur One-to-one-Kommunikation (Chatbots) oder zumindest zur Individualisierung, eine sinkende organische Reichweite, Live- und Bewegtbild-Inhalte sowie die stetig steigende Anforderung an Kompetenz in Social Advertising.

Der Wettkampf um Reichweite und Sichtbarkeit

Die größte Herausforderung (genannt von 38 Befragten) liegt darin, die Zielgruppen und -potenziale trotz Informationsflut mit guten, authentischen, relevanten und dialogfördernden Inhalten zu erreichen – und zwar zu informieren und zu unterhalten gleichermaßen. Gerade in Zeiten, in denen Facebook und andere Netzwerke ständig an ihrem Algorithmus arbeiten und dadurch sowie dank der Masse an Informationen die native, organische Reichweite sinkt, steigen die Kosten für die Sichtbarkeit der eigenen Inhalte: entweder dank erhöhter Ad-Spendings oder mittels Investition in neue Storytellingformate, wie Bewegtbild, Liveberichterstattung Augmented/Virtual Reality.

Trend zur Individualisierung

Wenn Content qualitativ hochwertig ist, ist den meisten Nutzern egal, ob die Quelle eine bestimmte Marke ist. Unternehmen müssen sich somit zukünftig viel mehr mit dem einzelnen Individuum auf sozialen Plattformen auseinandersetzen und ihn noch gezielter adressieren (genannt von 22 Befragten). Das geht einher mit dem Wunsch vieler, direkt angesprochen zu werden – also statt in Foren oder auf Pinnwänden per privater Nachricht im Messenger oder in geschlossenen Gruppen (z.B. Facebook- oder Whatsapp-Gruppen), zu denen Unternehmen keinen oder nur schwer Zugriff bekommen. Über gute Inhalte auch in solche Kanäle hineinzukommen, ist eine der größten Herausforderungen, verbunden damit, dass Skaleneffekte bei der Bearbeitung von Anfragen (eine Antwort hilft auch Lesern) bei einer 1-zu-1-Kommunikation nicht mehr gehoben werden können und der Kommunikationsaufwand immens ist, sei es personell oder technologisch – denn in großem Umfang helfen hier nur noch Chat-Bots.

Social by Design

Gefragt nach den größten Herausforderungen in ihrem Berufsalltag, antworten 14 Befragte, dass sie immer noch für die Integration von Social Media kämpfen müssen, weil viele Unternehmen noch nicht begriffen haben, dass ihre Produkte und Dienstleistungen nicht fertig sind, wenn sie den Kunden erreicht haben, sondern dass ein konstanter Dialog gepflegt werden muss. Es geht um dialogorientierte Inhalte, Interaktion und Kommunikation der Marke mit den Kunden, Fans und Followern – auch über das Internet hinaus und mit den verschiedensten Zielsetzungen im Blick. Zeit also für Social Media Manager als vernetzte Botschafter die Silos aufzubrechen, über Abteilungsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten und Social by Design zu werden – Social Media als integrierten und interdisziplinären Ansatz zu sehen und das intern wie extern, Stichwort: Social Collaboration. Um aber das volle Potenzial von Social Media auszuschöpfen, muss jeder einzelne Mitarbeiter vom Nutzen der Netzwerke überzeugt sein, beginnend bei der Unternehmensleitung – denn der Kunde ist schon so weit: Social Media ist Alltags-Internet, Indutry 4.0 leider noch nicht.

Schnelllebigkeit

Die Weiterentwicklung der „täglichen“ Social Media Tools und deren Entwicklung ist eine Herausforderung, die 12 der Befragten nannten, z.B. sehr gut zu beobachten am Beispiel Snapchat. Zunächst alleine auf dem Markt, bietet inzwischen Facebook, Whatsapp und auch Instagram mit „Stories“ jedes Tool die Möglichkeit, jedem seine persönliche Geschichte erzählen zu lassen und vor allen Dingen verschiedene Zielgruppen zu erreichen. Die technologischen Weiterentwicklungen zu verfolgen, zu evaluieren und in den eigenen Social-Toolkit aufzunehmen, sofern relevant für die eigenen Social-Ziele, ist sehr fordernd und gerade mit wenigen Ressourcen schwerlich ohne externe Agentur realisierbar.

Der Social ROI

Genau hier liegt eine weitere Herausforderung, die 6 Befragte äußerten: Monetarisierung bzw. eine überzeugende Antwort auf die Frage nach dem Return of Invest zu finden. Alle social-agierenden Abteilungen müssen dem Ressourcen-Einsatz immer stärker klar definierte Einnahmen gegenüberstellen. Der Kosten-Druck wird größer. Es wird folglich immer wichtiger, klare KPIs zu definieren, die auf Unternehmensziele einzahlen und diese mit den dafür geeigneten Tools zu messen (vier Befragte nannten Monitoring als größte Herausforderung). Außerdem wird es immer entscheidender, der propagierten ROI- und Performance-Diskussion entgegenzuwirken – nicht nur mit Ergebnissen, deren Forderung in den jeweiligen Bereichen durchaus legitim ist, sondern auch mit überzeugenden inhaltlichen Konzepten für Branding, Image und Kundenbindung. Die Customer Journey in Social Media muss erwachsen werden – gerade in Zeiten immer stärker nachlassender Markentreue und zunehmender Bedeutung von (Freundes-)Empfehlungen.

Hater, Fake-News und Datenschutz

Ebenso als Herausforderungen genannt: Vertrauen aufzubauen, durch relevanten, validen, dialogorientierten Content, denn die Angst vor Fakenews ist immer präsent. Bei der Kommunikation zeichnet sich ein Trend des rauhen, harschen Umgangstons ab – bis hin zu provizierten Shitstorms oder regelrechten Hate-Speeches. Den Umgang damit im Griff zu haben, erfordert viel Fingerspitzengefühl und ein unglaublich hohes Maß an Kommunikationsstärke. Die zeitintensive Beschäftigung mit den Socia Media Analytics wird genauso von einigen herausfordernd gesehen (5 Befragte), wie die Konsolidierung aller Kunden- und Social-Daten und eine datenschutzkonforme Nutzung zur gezielten Kundenansprache (6 Befragte).

Hintergrund der Social-Studie

Die Studie wurde im Zeitraum vom 03.04.2017 – 26.06.2017 durchgeführt, teilgenommen haben 105 Befragte, die per XING und in geschlossenen Facebook-Social-Media-Manager-Gruppen akquiriert wurden. Die komplette Studie gibt es als Download hier.

Alle Daten im Überblick: Die Infografik

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